Happy Computer: 4. Schneider-Sonderheft / 1986

Nachdruck mit freundlicher Genehmigung
des WEKA Computerzeitschriftenverlags - 85586 Poing

 

 

JOYCE - Wer kann, der kann !

 

Wenn viele stolze Besitzer eines Joyce nicht wissen, daß ihr Computer weit mehr bietet als eine komfortable Textverarbeitung, liegt das an der Werbung. Er kann aber mehr!

Nachdem Schneider den Preis für den Joyce drastisch senkte und obendrein noch ein besser ausgestattetes Schwestermodell anbot, erfreut sich dieser Computer der 8-Bit-Generation wachsender Beliebtheit. Verfolgt man jedoch die technische Entwicklung auf dem Computermarkt, erkennt man schnell, daß der Trend eindeutig in Richtung der 16- und 32-Bit-Prozessoren weist (beispielsweise Atari ST und Commodore Amiga). Was macht den Joyce nun trotzdem noch so attraktiv?

Zum einen wird er als komplettes System, bestehend aus Computer, monochromem Monitor, Drucker, Diskettenlaufwerk und einem umfangreichen Software-Paket geliefert. Dazu kommt der für eine derartige Konfiguration äußerst niedrige Preis.

Betrachtet man die Hardware, setzt Schneider Maßstäbe, was Design und Platzbedarf betrifft. Drucker und Tastatur belegen auf einem Schreibtisch ungefähr den Platz einer elektrischen Schreibmaschine. Der Monitor stellt praktisch das zentrale Gehirn der Anlage dar, in dem alles zusammenläuft. Äußerst positiv fällt auf, daß sämtliche Geräte vom Monitor mit Strom versorgt werden; das umgeht den sonst obligatorischen Kabelsalat und die Mehrfach­steckdose.

 

Kommunikation zwischen verschiedenen Computern ist ein Thema, das aus der heutigen Computerszene nicht mehr wegzudenken ist. So findet man an der Rückseite des Monitors einen Anschluß für ein Interface mit einem seriellen (RS232) und einem parallelen (Centronics) Ausgang. Mit einem Modem oder Akustikkoppler steht Ihnen die Welt der Mailboxen und Datenfernübertragung offen. So lassen sich Programme und Daten beliebig transferieren.

Das eingebaute Diskettenlaufwerk besitzt eine Speicherkapazität von rund 170 KByte. Die Diskette hat also zirka 340 KByte Speicherplatz, denn die Rückseite ist ebenfalls verwendbar. In der Plus-Version (PCW 8512) enthält der Joyce ein zweites Laufwerk mit einer Kapazität von 720 KByte. Für wirklich sinnvolle (weil umfangreiche) Datenbanken ist diese Ausstattung sogar unerläßlich. Zusätzlich ist der Hauptspeicher auf 512 KByte (deshalb die Zahlenkombination im Namen) erweitert. Der PCW 8256 besitzt demzufolge einen Arbeitsspeicher mit 256 KByte. Der Unterschied in der Speicherkapazität wirkt sich vor allem auf das Fassungsvermögen der RAM­Floppy aus, das beim PCW 8256 »nur« 112 KByte umfaßt, beim PCW 8512 jedoch 368 KByte. Diesen Speicherbereich spricht der Benutzer wie ein zusätzliches Laufwerk an. Der Vorteil liegt darin, daß ein Zugriff auf die Daten keine mechanischen Operationen erforderlich macht. Es findet lediglich eine interne Verschiebung der Daten statt, was einen Bruchteil der sonst benötigten Zeit beansprucht. Nervende Wartezeiten beim Nachladen wichtiger Programmteile oder Daten entfallen also.

Auch der Drucker braucht einen Vergleich mit der Konkurrenz nicht zu scheuen. Er verfügt über eine reichhaltige Ausstattung und läßt sich in seinen Funktionen völlig über Locoscript steuern.

Die mitgelieferten Disketten enthalten neben den Programmiersprachen DR Logo und Mallard-Basic sowie vielen Dienstprogrammen vor allen Dingen ein leistungsfähiges Programm zur Textverarbeitung. »Locoscript« bietet reichhaltige Funktionen für nahezu jeden erdenklichen Anwendungsfall und ist zudem auch sehr bedienerfreundlich. Unter Verwendung von Windows (Einblendungen in den Bildschirm, die Anweisungen oder Auswahlmenüs enthalten) steht der Benutzer in ständigem Kontakt mit dem Computer. Dadurch verkürzt sich die Einarbeitungsphase enorm; man kann praktisch sofort mit dem Programm arbeiten, ohne vorher die gesamte, sehr umfangreiche Bedienungsanleitung studiert zu haben. Die selbstverständlich deutsche Schreibmaschinentastatur besitzt 82 Tasten und erfreut so sicherlich jedes Sekretärinnenherz, denn die zusätzlichen, von »Locoscript« belegten Tasten, tragen ihren Teil zur einfachen Handhabung bei. Wem jedoch immer noch der Umstieg auf eine solche »Höllenmaschine« schwerfällt, für den simuliert Joyce einfach eine Schreibmaschine mit seinem Direktdruck-Modus.

Folgende Aufzählung, die keineswegs alle Funktionen umfaßt, zeigt die Vielseitigkeit von »Locoscript«: Unterstreichen, Fettdruck, verschiedene Zeichendichten und Schriftarten, Proportionalschrift, Seitenzählung, Hoch- und Tiefstellen, Verwendung von Sonderzeichen, Änderungen des Layouts, Mischen mehrerer Textbausteine und, und, und...

Aber auch andere Textsysteme sind bereits verfügbar. So können beispielsweise Wordstar-Liebhaber ihrem vertrauten Programm treu bleiben. Gerade hier stellt sich jedoch die Frage, inwiefern die Investition für eine zusätzliche Textverarbeitung sinnvoll ist, nachdem mit »Locoscript« eine leistungsfähige Textverarbeitung zum Nulltarif zur Verfügung steht.

Als Erweiterung der Einsatzgebiete im Büro bietet sich als nächstes die große Gruppe der Datenverwaltungs­Programme an, denn in welchem Betrieb fallen keine Adressen, Kundendaten und ähnliches an? Meist schlummern diese in verstaubten Karteikästen vor sich hin und wehe, man benötigt auf die Schnelle bestimmte Informationen. Wie erholsam ist da der Umgang mit einer Datenbank im Computer. Es eröffnet ganz neue Perspektiven, wenn man auf Tastendruck eine Inventur durchführen oder mit minimalem Arbeitsaufwand ein Werberundschreiben an alle Kunden schicken kann. Die Auswahl ist auf diesem Gebiet besonders reichhaltig: So gibt es neben speziellen Problemlösungen (Adressen-/Lagerverwaltung etc.) auch universelle Datenbank­Programme wie beispielsweise »dBase«, die der Anwender an verschiedenste Zwecke anpassen kann.

Tabellenkalkulations-Programme wie »Multiplan« sind recht nahe Verwandte der Datenverwaltungen. Der Hauptunterschied liegt in der tabellarischen und damit sehr übersichtlichen Darstellung der Daten und in der Fähigkeit, beliebige Zeilen und Spalten der Tabelle rechnerisch miteinander zu verknüpfen. So ist zum Beispiel eine Artikel­Preisliste in Windeseile bei Änderung der Kalkulation komplett neu berechnet.

Wem es auf die Automatisierung des gesamten Geschäftsbetriebes ankommt, ist mit kompletten Programmpaketen gut bedient. Solche Busineß­Packs enthalten dann mehrere der genannten Einzelanwendungen für bestimmte Einsatzgebiete.

Zur Verdeutlichung erfaßter Daten eignen sich Programme für Geschäfts­Grafiken. Der geplagte Manager, der täglich aufs neue über den aktuellen Stand seines Unternehmens informiert sein muß, erhält mit Programmen wie »DR-Graph« schnellsten Überblick in

Form anschaulicher Grafiken. Torten-, Balken- und Liniengrafiken sowie Histogramme auf Bildschirm oder Papier sind eben erheblich einprägsamer als endlose Zahlenkolonnen.

Sie sehen also: Die zur Zeit angebotene Software reicht eigentlich aus, um alle täglich anfallenden Arbeiten im Büro zeitsparend zu erleichtern.

Falls Sie nun denken, mit diesen Verwaltungsaufgaben wäre Ihr Joyce bereits ausgelastet, liegen Sie mit Ihrer Einschätzung weit daneben. Entsprechende Software (wie zum Beispiel »DR-Draw« und »Mica«) ermöglicht sogar technische Konstruktionszeichnungen und beliebige andere Grafiken.

Auch Benutzern, die ihre Problemlösungen selbst programmieren wollen, sind genügend Hilfsmittel an die Hand gegeben. Da ist zunächst einmal das bereits erwähnte, mitgelieferte Mallard­Basic. Es ist zum - auf CP/M-Computern weit verbreiteten - Microsoft- Basic voll aufwärtskompatibel, bietet aber viele mächtige Erweiterungen. So sind dem Programmierer mit dem relativen Dateizugriff über »Jetsam« alle Möglichkeiten geboten, eigene Datei-Programme unter Basic zu entwickeln. Schlüsselwörter dienen als Suchkriterien und gestalten eine Datenbank erst richtig komfortabel. Der Benutzer ist nun nicht mehr auf fertige Datenbanksysteme aus dem Handel angewiesen.

Das ebenfalls im Preis enthaltene »DR Logo« ist nicht nur für Kinder geeignet, sondern kann vielmehr jedem lernwilligen Programmier-Anfänger den Einstieg erleichtern. Professionelle Programmieraufgaben lassen sich mit problemorientierten Sprachen besser umsetzen. Und so ist es kein Wunder, daß entsprechende Compiler für Ihren Joyce auf dem Markt sind. Für kaufmännische Anwendungen steht Cobol zur Verfügung, während Ingenieure und Techniker ihre Probleme eher mit Fortran lösen. Auch Pascal-Programmierer kommen mit dem entsprechenden Compiler auf ihre Kosten. Die Vorteile der strukturierten Programmierung unter Pascal veranlaßt immer mehr Programmierer, sich mit dieser Sprache auseinander zusetzen. Auch eingeschworenen Basic-Freaks gibt der C-Basic-Compiler die Chance zum Aufstieg. Die in C-Basic verfaßten Programme laufen dank der Compilierung rund zehnmal schneller als interpretierte Programme unter Mallard-Basic.

Ein wunder Punkt des Joyce ist seine eingeschränkte Eignung als Videospiel. Vielen Einsteigern gibt gerade der Spieltrieb den Anstoß zur Auseinandersetzung mit der Computertechnik.

Anders als bei der Serie der Schneider-CPCs ist die Spielepalette recht mager. Eins der wenigen Angebote ist ein Schachspiel mit vorzüglicher dreidimensionaler Grafik. Auch Abenteurer finden ein Betätigungsfeld mit Grafik­Adventures wie »Heroes of Karn«. Konstruktive Arbeitspausen verkürzt auf angenehme Art eine Partie Bridge gegen den Joyce oder ein kleines Ping­Pong-Match.

Sicher wird sich auf dem Software­Sektor in nächster Zukunft noch vieles für den Joyce tun, so daß sowohl im Bereich der Anwendersoftware, wie auch auf dem Spielesektor noch einiges zu erwarten ist.

Von der einfachen Programmierung unter Basic, über höhere Programmiersprachen, Problemlösungen, Textverarbeitungs-Programmen bis hin zu Spielen, macht der Joyce überall mit, solange es keinen mehrfarbigen Bildschirm erfordert. Die mitgelieferte Software ist sehr reichhaltig und leistungsfähig, die Hardware nahezu vollständig.

Der Joyce steht also für ein komplettes System, bei dem man in Anbetracht des Preises nur staunen kann.

Jedem, der nicht unbedingt den neuesten Stand der Technik, sprich 16/32 Bit, sein eigen nennen muß, wird der Joyce eine preiswerte Hilfe zur Erledigung seiner täglichen Arbeiten sein. Denn preiswert heißt noch lange nicht billig!

(Jörg Höhnerbach/ja)

 

Happy Computer: Das Große Heimcomputer-Magazin

4. Schneider-Sonderheft / Juli 1986 ... Seite 22 ff