Die CPM-Story

... in Memoriam Gary Kildall


Es ist nun schon fast vier Jahre her, daß Gary Kildall, der Erfinder des CP/M, im Juli 1994 plötz- lich und unerwartet verstarb - nur 52 Jahre alt. Da sollten wir uns vielleicht einmal erinnern, wie das Betriebssystem CP/M entstanden ist:

1972 hatte der junge Gary seinen Doktor in Informatik gemacht und war nun an der Militärhochschule Monterey, Kalifornien, angestellt. Der Job gefiel ihm ganz gut, zumal er viele Freiräume hatte. Nur eines störte Gary ganz gewaltig: Er mußte jeden Tag über hundert Meilen zu seinem Arbeitsplatz fahren. Da ist es nur zu verständlich, daß Gary von einem Computer ganz für sich alleine träumte, den er in der Nähe seiner geliebten jungen Frau aufstellen könnte...

Als Gary 1973 die Vorstellung des neuen Intel-Prozessores 8080 miterlebte, sah er seinen Wunschtraum in greifbare Nähe gerückt. Er war vom 8080 der-art begeistert, daß er den Intel- Managern vorschlug, einen Compiler für die Sprache PL/1 (= Programming Language Number 1) zu basteln. Zu dieser Zeit war PL/1 auf den Großrechnern sehr oft eingesetzt, so daß die Intel- Leute sofort einverstanden waren; das Teil wurde dann PL/M (= Programming Language for Microprocessors) genannt.

Es gab nur ein kleines Problem: Gary besaß keinen Computer, der mit einem 8080 arbeitete. Er konnte nur auf eine PDP-10 von Digital Equipment zugrei-fen. Also codete Gary seinen PL/M- Compiler in FORTRAN auf der PDP-Machine. Als dann der Compiler fertig war, brauchte Gary aber dann doch einen 8080-Computer zum Testen. Er konnte die Firma Shugart sogar überreden, ihm ein Floppy-Laufwerk zu schenken. Da aber Kabel, Stromversor-gung und Controller fehlten, konnte Gary damit nichts anfangen.

Weil die geschenkte Floppy für ihn wertlos war, beschloß Gary, den 8080 auf dem PDP-Compi zu simulieren. So entstand die erste Version des CP/M - quasi als Notlösung...

Im Oktober 1973 lernte Gary zufällig den begnadeten Bastler John Torode kennen, für den es kein Problem war, die verstaubte Floppy an einen Einpla-tinen-Computer mit einem 8080 anzuschliessen.

Als dann beide das CP/M starteten, waren sie baff: Das Teil lief fast auf Anhieb! Da war Gary von seinem CP/M derart überzeugt, daß er es Intel zu-sammen mit dem PL/M-Compiler anbot. Den Compiler kaufte Intel sofort, aber von CP/M waren sie nicht überzeugt. Sie konnten sich einfach nicht vor-stellen, warum jeder einen kleinen Computer für sich allein haben sollte! Damals meinten halt alle Branchengurus, nur die Riesen-Eumels von Timesha-ring-Anlagen hätten eine Zukunft...

Gary ließ sich aber als echter Amerikaner nicht entmutigen und beschloß, sein CP/M selbst zu vermarkten und gründete die Firma ‚Digital Research', auch ‚DR' genannt (DR gibt es heute nicht mehr, sondern wurde vor über zwei Jahren von Novell aufgekauft).

Mit Postwurfsendungen machte Gary sein CP/M in ganz Kalifornien bekannt. Da die Version 1.3 nur 70 $ kostete, wurde dieses Betriebssystem bald auf jedem 8080-Computer eingesetzt.

1979 gab DR die Version 2.0 frei, der bald CP/M 2.2 folgte. Diese Version ist weltweit am meisten eingesetzt, weil sie bei wenig Speicher relativ viel Lei-stung bot Heimcomputer wie CPC464 und CPC664 arbeiten noch heute da-mit.

Die Version 3.0 des CP/M, auch ‚CP/M Plus' genannt, erschien erst 1982. Das war leider zu spät, da ja ein Jahr zuvor der IBM-PC seinen Siegeszug angetreten hatte. CP/M Plus ist neben der Joyce auch auf dem CPC6128 und C128 zu finden. Also Leute, wenn ihr wieder einmal auf der Joyce mit CP/M arbeitet, legt eine Gedenkminute für Gary ein! Schließlich verdanken wir ihm ein Super-Betriebssystem!

 

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